Bhutan Tagebuch 2
Tagebuch vom 4.11.2005 bis 17.11.2005.
4.11.2005 Mongar
Heute haben wir uns ein Wasserkraftwerk angeschaut. Zumindest den Stausee davon. So wie es aussieht wird so ziemlich die komplette Energie Bhutans aus Wasserenergie gewonnen. Bei kaum Industrie ist das auch sicherlich nicht so eine Riesenmenge. Dann haben wir noch nen Tempel angeschaut. Heute Mittag noch nen Spaziergang. Bei 1800 Meter und Sonnenschein habe ich es tatsächlich mal geschafft ne Weile im T-Shirt zu laufen. Nachts wird es immer verdammt kalt. In 14 Tagen werde ich sicherlich die kalten Nächte herbeisehnen. Man will halt immer das, was man nicht hat.
5.11.2005 Mongar-Trashigang
Relativ schnell (3 Stunden) ist man in Trashigang. Sozusagen das Ende der Zivilisation im Osten in Bhutan. Es gibt sicher noch Dörfer die weiter im Osten sind, aber mir reicht das hier schon. Zum erstenmal ein richtiges Loch als Zimmer. Naja ich hatte es schon schlimmer, aber im Gegensatz zum Rest was ich bisher in Bhutan hatte, ist das schon ein Rückschritt. Hat ungefähr den Standard schlechter Hostels in NZ. Zuerst musste ich mal 50 Liter durch die Leitung lassen, um einigermaßen klares Wasser zu bekommen. Davor hat es ausgesehen wie die Kinzig bei Hochwasser. Warmes Wasser gibt es gar nicht. Beim Zelten gab's ja auch keine Dusche. Essen und Frühstück müssen wir auch selber machen. Hoffentlich lohnen sich die Ausflüge. Aber da bin ich überzeugt.
Zum Autofahren wollte ich schon lange was schreiben. Die Strassen haben hier eineinhalb Spuren. Das heißt bei Gegenverkehr muss einer ausweichen. Wenn ein Lkw überraschend ums Eck kommt, wird es eng. Wenn es dann links von einem 1000 Meter oder mehr ohne Leitplanke runter geht, kann einem schon mal ein bisschen komisch werden. Es geht entweder rauf oder runter. Die längsten Geraden sind vielleicht 60-80 Meter. Wenn man das weiß, dann kann man auch verstehen, dass wir kaum mehr als 30-40 km die Stunde im Schnitt erreichen. Dann kommt dazu, daß während der Regenzeit unzählige Erdrutsche die Strassen blockieren und beschädigen, die dann den Rest des Jahres wieder repariert werden. Wir sind mit einem Pajero unterwegs, der von der Federung etwas mehr vertragen könnte. Ein Landcruiser oder Hilux fährt sich bei dem Geholper schon deutlich angenehmer. Wie fast überall in Asien ist alles in japanisch/koreanischer Hand. Man sieht aber auch einige Mahindra.Das ist ein indischer Jeep Verschnitt. Das Ding ist aber ziemlich furchtbar. Bei den LKW ist es Eicher und Tata. Eicher muss ein indisch/ japanisches Joint Venture sein und bei Tata hat/hatte scheinbar der Daimler die Finger drin.
6.11.2005 Trashigang
Heute haben wir Sightseeing rund um Trashigang gemacht. Diverse Dörfer besucht. An einer weiterführenden Schule haben wir bei einem Kricketspiel eine Weile zugeschaut. Die Regeln kenne ich ein bisschen. Sind ähnlich wie beim Baseball. Ich hatte mir eigentlich vorgestellt, dass man hier etwas mehr machen kann. Irgendwie fühle ich mich schon wie am A.. der Welt.
Weiterhin kann ich langsam keinen Reis mehr sehen. 2 mal täglich Reis, Gemüse und Fleisch. Ab und zu mal noch Nudeln als Beilage oder Kartoffeln. Das ist ja an sich nicht schlecht, aber nach zweieinhalb Wochen habe ich langsam die Nase voll. Vor allem weil alles irgendwie immer gleich schmeckt. Ich fang schon an vom Burger King in Bangkok zu träumen. So schlimm ist es dann doch nicht, aber ein bisschen Abwechslung könnte nicht schaden. In Bumthang soll es nen Pizzabäcker geben. Wieder was zum Träumen.
7.11.2005 Trashigang
Nach dem Frühstück sind wir heute nach Trashi Yangtse gefahren. Auf dem Weg dahin haben wir Gom Kora und kurz vorher Chorten Kora angeschaut. Ein ist ein Tempel und das andere ein Statue. Trashi Yangste ist bekannt für seine handgeschnitzten Becher und Schalen. Das Zeug ist so teuer, das kann man sich nicht vorstellen. Je nach Maserung des Holzes verlangen die für Schnapsglasgröße bis zu 100 Euro. Das war mir dann doch zu heftig.
Heute Nachmittag dann noch nach Rangjung. Da hat sich ein reicher tibetanischer Lama sein privates Kloster gebaut. Die Mönche sind sonst eher spartanisch untergebracht, aber das hier sah mir eher nach Hotel Standard aus. Wenn ich meinem Fahrer glauben darf, sind sowohl er, als auch seine zwei Brüder Inkarnationen von irgendwelchen Lamas. Da Frage ich mich, ob es bei den Inkarnationen immer so mit rechten Dingen zugeht, oder ob da nicht manchmal auch Vitamin B hilft.
8.11.2005 Trashigang - Mongar
Außer der Fahrt war heute nicht viel. In Mongar gibt's endlich wieder warmes Wasser. Das habe ich dann heute Mittag zur ausgiebigen Körperpflege benutzt. Die Fahrt war wie immer interessant. Morgen gibt's nochmal ne lange Fahrt nach Bumthang.
9.11.2005 Mongar - Bumthang (Jakar)
Mal wieder die spektakuläre Fahrt auf den Trumshing La bei 3800 Meter. Leider hat sich heute die Tierwelt rar gemacht. Keine Affen, keine Yaks und so war zwar die Natur spektakulär, aber die Abwechslung bei einer 6,5-stündigen Autofahrt hat schon ein bisschen gefehlt. Heute in Bumthang angekommen, kam der Inhaber auch schon mit meiner Baseballmütze in der Hand zum Auto. Die hatte ich nämlich das letzte mal liegen lassen. Das hätte mich sicherlich nicht in Ausgabennöte gestürzt, ist aber trotzdem nett, sie wieder zu haben, denn in Bhutan gibt es eher keine zu kaufen.
10.11.2005 Bumthang (Jakar)
Heute Morgen haben wir den Dzong von Jakar besichtigt. EIn Dzong ist so was wie ein Regierungspräsidium mit integriertem Kloster. Das heißt es ist sowohl kirchlich als auch politisch die oberste Instanz der Provinz. In dem Teil des Klosters sind dann immer mehrere Tempel in verschiedenen Räumen untergebracht. Danach waren wir dann noch in einem Tempel. Mittagessen waren wir in der Pizzeria. Sofern man das so nennen kann. Serviert wurde im Wohnzimmer. Die Inhaberin spricht kein Englisch, aber schweizerdeutsch, da sie insgesamt zwei Jahre in der Schweiz gearbeitet hat. Ist schon etwas verrückt, sich mit einer Bhutanerin auf schweizerdeutsch zu unterhalten.
11.11.2005 Bumthang - Wangdue
Nachdem wir kein Zimmer mehr beim Kranichfestival bekommen haben, sind wir kurzfristig nach Wangdue gefahren. Das war mal wieder eine Fahrt über zwei 3500 Meter hohe Pässe. Beim Pele La dann endlich Mengen an Yaks, die nicht beim Auftauchen eines Autos sofort davongelaufen sind. Ich hoffe, dass die Bilder was geworden sind. Gestern Mittag habe ich in der Post eine Birne von einem Bauer geschenkt bekommen. Es war wohl nicht die beste Entscheidung diese ungewaschen und ungeschält zu mir zu nehmen. Es war eine relativ kurze Nacht. Nachdem mir dann heute eine siebenstündige Autofahrt bevorstand, habe ich eine Immodium eingeworfen. Das Zeug legt wirklich alles still. Ich habe dann halt heute einen (fast) Fastentag eingelegt. Ein bisschen meiner derzeitigen Lieblingsspeise, nämlich trockenen Reis, habe ich dann doch gegönnt.
12.11.2005 Wangdue
Irgendwie haben wir heute morgen kurzfristig alles umgeworfen und haben uns doch noch entschlossen, zum Kranichfestival zu fahren. Der Fahrer hat zwar gemotzt und gemeint, es wäre zu spät, aber wir dann trotzdem gefahren. Das Ganze ging um 8.30 Uhr los und wir waren um 11.00 Uhr dort. Es haben dann den ganzen Tag Tänze und Gesang stattgefunden. Ich muss sagen es war sehr schön, aber trotzdem bin ich nicht übermäßig traurig, so spät dort gewesen sein. Es war bei 3200 Meter und die Sonne hat runtergemacht, und wir hatten Plätze ohne Schatten. Da kannst du schmieren wie Du willst, da verbrennst du dir halt die Birne. Die Tänze wurden mit viel Einsatz vorgetragen und es war echt schön. Teilweise auch sehr schöne Kostüme. Rund um das Festival war ein Jahrmarkt aufgebaut. Da war richtig was los. Wir haben auch noch ein paar Freundinnen von Jimba getroffen, die mit uns dann den Tag verbracht haben.
Heute morgen sind wir auf eisiger Strasse fast auf einen Pfeiler gerutscht. Das ist schon verrückt. Tagsüber in der Sonne im T-Shirt und nachts Frost und richtig kalt.
13.11.2005 Wangdue
Heute Morgen haben wir zunächst einen 200 Hm Aufstieg zu einem Tempel, der von einer der 4 Königinnen gesponsert wurde, gemacht. War sehr interessant. Der Tempel hatte 4 Stockwerke die mal wieder dem Guru Rimpoche gewidmet wurden. Heute Nachmittag haben wir dann noch den Tempel des "Divine Madman" besichtigt, den ich schon mal beschrieben hatte. Der ist mir sowieso der Sympathischste, denn der hat die Religion nicht als das alleinig selig machende angesehen. Der war sozusagen der Rockstar des 17.ten Jahrhunderts, außer dass ihm zu "Sex and Drugs and Rock n´Roll" nur noch der letztere fehlte. Heute Abend war ich dann beim Abendessen mit einer Gruppe Engländern aus Essex zusammen. Die waren zwischen 45 und 60, aber wie fast immer verstand ich mich mit Engländern auf Anhieb problemlos. So sind wir auch gemeinsam versackt, so dass ich teuflisch aufpassen muss, was ich gerade in die Kiste hacke. Aber da ich U2 dazu höre kann eigentlich nichts schief gehen. Morgen geht´s nach Thimpu, dann werdet ihr mal wieder was zum Lesen bekommen.
14.11.2005 Wangdue - Thimpu
Bin heute Morgen extra zeitig aufgestanden und habe mit den Engländern gefrühstückt. Dann habe ich die Bilder fürs Web fertiggemacht und um 9.30 Uhr sind wir nach Thimpu gefahren. So gegen Mittag dagewesen und am Nachmittag ein paar Souvenirs gekauft und dann noch in einem Reservat ein paar Takins angeschaut. Da haben ein paar ganz Schlaue einen Zaun mit 2 cm Maschenabstand und ca. 4 Meter Höhe drum gebaut. Das war super zum Fotografieren !!! Schaut es euch an. Es geht einigermaßen. Die Tage sind jetzt langsam echt gezählt. Ich freue mich auf die Wärme. Hab gerade mal wieder Probleme einzuschlafen, da sich draußen die Straßenköter wieder mal die Schlacht um die Nacht liefern. Es ist unglaublich, wie viele streunende Hunde hier rumlaufen. In Thimpu allein sind es sicherlich mehrere hundert.
15.11.2005 Thimpu
Heute Morgen sind wir zur Dzongka Akademie aufgestiegen, aber wir durften nicht rein. Da bei mir eine Erkältung im Anmarsch ist, und ich versuche, sie gerade zu bekämpfen, habe ich auf den zweiten Aufstieg verzichtet, da ich halt schon wieder klatschnass war. Bei 3000 Meter im Schatten ist es schon recht frisch. Heute nachmittag habe ich versucht noch ein paar Souvenirs zu bekommen, aber die Auswahl ist begrenzt. Stoffe gibt es sehr schöne, aber das ist halt nicht meine Baustelle Die Masken sind mir zu bunt und irgendwelche religiösen Gegenstände zu kaufen, wenn man nicht dahintersteht ??? Ein T-Shirt habe ich mir zugelegt aber feststellen müssen, daß XXL in Bhutan wohl eher L in Deutschland entspricht. Vielleicht finde ich ja morgen noch was. Heute Abend waren wir dann noch bei Karma eingeladen. Wir heißt in diesem Fall: Kati, Benni und ich. Die zwei sind aus Starnberg und waren mit Karma auf dem Trek. Benni ist Fotograf und will einen Bildband über Bhutan machen.
16.11.2005 Thimpu
Heute war ich gemeinsam mit Kati, Benni und Karma unterwegs. Wir waren zuerst noch mal im Tempel zu Ehren des letzten Königs. Dann im Changangkha Tempel. Danach noch mal bei den Takins. Karma hat es tatsächlich geschafft, das Tier anzulocken und Kati hat ihn den Weile gestreichelt. Danach hatte sie ölige Finger. Nach dem Mittagessen waren wir dann beim Bogenschiessen. Es war super interessant. Die schießen auf eine Entfernung von 150 yards was so 135 Metern entspricht. Das Ziel ist schätzungsweise so 20 cm im Durchmesser. Das kann ich aus der Entfernung mit Mühe und Not erkennen. Und die treffen tatsächlich !! Wenn es einen Treffer gibt, dann vollführen auf beiden Seiten die Mitglieder des Teams ein Freudentänzchen. Geht der Pfeil daneben, dann ist die gegnerische Mannschaft dran. Die rufen dann so etwas wie "geht doch zuhause". Der ganze Event ist wirklich klasse. Um drei sind wir dann nach Paro gefahren. So gegen fünf da gewesen.Das Guesthouse war letztes Mal total voll, und dieses Mal bin ich der einzige Gast. Man merkt, daß die Saison dem Ende zugeht. Heute Abend habe ich im TV den Dude angeschaut. Das hört sich ganz schön blöd an wenn sie das Wort mit "F" ständig wegblenden. Und in dem Film kommt es sozusagen in jedem zweiten Satz vor. Aber der Film ist halt immer noch Kult. Die 4 Wochen sind wahnsinnig schnell rumgegangen. Morgen früh um 9 geht's auf den Flughafen und ab nach Bangkok.
17.11.2005 Paro-Bangkok
Heute morgen um 9 am Flughafen gewesen. Check in. Um 12 waren wir in Kalkutta. Gegen 16.00 Ortszeit in Bangkok gewesen. Es hat diesmal ewig gedauert bis ich mein Gepäck hatte. Dann musste ich im anderen Terminal noch mein Tauchzeug abholen. Dann kam das Highlight: Ein Doppelwhopper
So gegen 18.30 Uhr war ich dann im Hotel. Heute abend habe ich mir noch eine Thai Massage gegönnt. Das ist echt klasse. Aber nicht das, was manche jetzt denken werden !? Ansonsten wird heute nicht mehr viel passieren außer mal wieder ein paar Bilder hoch laden. Hier habe ich endlich eine schnelle Verbindung. Morgen geht's mit Palau weiter.
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