Bhutan Tagebuch 1

Tagebuch vom 19.10.2005 bis 3.11.2005.


19.10.2005

Sitze gerade am Flughafen und habe noch zwei Stunden bis der Flieger geht. Irgendwie schon ein komisches Gefühl, mal wieder alles Gewohnte hinter mir zu lassen und mich auf das Ungewöhnliche einzustellen. Bhutan wird sicherlich anders als alles was ich bisher gesehen und bereist habe. Ganz wenige Länder üben auf mich den Reiz des derart Einzigartigen aus. Eigentlich ziemlich abgeschottet, öffnet es sich langsam der Welt. Lassen wir uns überraschen.


20.10.2005 18:20 Ortszeit Bangkok

Heute nachmittag in Bangkok angekommen und mein Tauchgepäck in der Gepäckaufbewahrung aufgegeben. Ganz schön teuer 90 Baht pro Tag was ungefähr 1,80 Euro entspricht. Geht halt nicht anders. Irgendwie hab ich sowieso in Ländern wie Thailand immer den Eindruck, daß man mit voller Absicht am Flughafen abgezockt wird. Das fängt beim Taxi an und hört beim Essen und Trinken auf.

Heute nacht heisst es um 3.30 Uhr aufstehen, da ich um 5.00 Uhr am Flughafen sein muss. Das heisst also die zweite Nacht in Folge mit etwas weniger Schlaf, da man im Flieger ja auch nicht unbedingt die volle Schlafration abbekommt. Dann nach Bhutan. Mein Ticket musste ich heute im Büro bei Druk Air abholen und es war tatsächlich da. Der nächste erhebende Moment wird sein wenn mein Touragent in Bhutan auch wirklich am Flughafen steht um mich abzuholen. Aber da bin ich ziemlich zuversichtlich.


21.10.2005 Paro

Heute morgen also 3.30 Uhr aufgestanden und dann 4.30 Uhr auf den Flughafen gefahren. Check In um 5.00 Uhr denn der Flieger sollte um 10 vor 7 gehen. Abgeflogen sind wir dann um 8. Anflug auf Kalkutta, wo wir zwischengelandet sind, war interessant. Ich hatte da eher so Wellblechbuden wie in den Cape Flats oder in Mexico City erwartet aber das war ein richtig schöner Vorort mit Palmen auf jedem Grundstück. Dann hatten wir da ne Stunde Aufenthalt und dann ging´s weiter nach Paro. Dort konnten wir wegen schlechten Wetters zunächst nicht landen. Das konnte ich zunächst schwer nachvollziehen, aber als es dann runter ging hat der richtig Kurven gemacht und fast mit der Tragfläche den Boden gestreift (Sah zumindest so aus war aber sicher nicht gefährlich). Mit dem Abholen ging auch alles glatt. Karma war da und hat mir meinen Guide, ein Mädchen namens Jimba, mitgebracht. Nachmittags haben wir dann noch den Dzong von Paro besichtigt. Danach waren wir in einer Bar und alle Gerüchte, dass man in Bhutan weder Rauchen noch Trinken darf, haben sich in Nichts aufgelöst. Mir hätte das zwar wenig ausgemacht, aber so ab und zu ein Bier schadet ja auch nicht.


22.10.2005 Paro Bhutan

Heute wollten wir eigentlich eine Wanderung machen, aber es hat immer noch geregnet wie auch die ganze Nacht. Da haben wir entschlossen heute Sightseeing zu machen. Wir sind dann ins Nationalmuseum gefahren. War sehr interessant. Da wurde mir erst klar wie komplex der Buddhismus mit allen seinen Ausprägungen ist. Das wird wohl noch eine Weile brauchen, bis ich das begreife. Als wir rauskamen, hat die Sonne gescheint und wir konnten eine kleine Wanderung machen. Wir sind etwa 300 HM aufgestiegen und haben uns zwei Tempel angeschaut. Danach runter zum Mittagessen. Irgendwie soll ich hier gemästet werden.Man hat mir 7 Schüsseln mit Kartoffeln, Nudeln, Kürbis, Momos (sieht aus wie eine Kreuzung aus Maultaschen und Tortellinis), Reis, Hühnchen mit Zwiebeln und Spinat hingestellt. Aber es hat alles ganz toll geschmeckt. Es wird viel Ingwer verwendet und Chillies werden auch überall dazugegessen. Nachmittags dann nochmals zwei Tempel besucht. In den Tempeln bekommt man dann immer einen Schluck heiliges Wasser zu trinken. Bin mal gespannt ob das meine verlorene Seele rettet. Jetzt ist gerade Ausruhen angesagt, denn heute Abend geht´s in eine bhutanesische Disko. Schau mer mal was dabei rauskommt.


23.10.2005 Paro Bhutan

Gestern abend waren wir (3 weibliche Guides, mein Tourveranstalter und ich) zunächst in zwei Bars, in denen Wunschkonzert lief. Das läuft in Bhutan so ab: Man sucht sich einen in der Bar der singen will und kann. Dann zahlt man 20-50 Cent und derjenige singt dann das Lied das man sich wünscht. Teilweise zahlen halt Leute für sich selbst und die können nicht singen. Das kann dann grausam werden. Die Disko bedarf dann keiner weiteren Erwähnung, da der DJ irgendwelchen alten Hip-Hop Mist im Wechsel mit indischen Liebesliedern gespielt hat.

Heute sind wird dann von 2600 Metern auf 3140 Meter aufgestiegen und haben das Kloster Taktshang Goemba (Tigernest) angeschaut. Allein der Blick auf das Kloster, den man beim Aufstieg bekommt ist atemberaubend. Es wurde bei einem Brand 1998 vollständig zerstört, aber fast wieder komplett aufgebaut. Zum Abschluss geht es dann noch mal 80 Höhenmeter Stufen runter und das Gleiche wieder rauf und beim Rückweg noch einmal. Da ich noch nicht so 100%ig akklimatisiert bin war das schon zäh. Aber es hat sehr viel Spaß gemacht. Falls ihr euch wundert wenn ich wir schreibe, damit mein ich meine(n) Guide(s) und mich. Morgen geht dann der eigentliche Trek los.


24.10.2005 auf dem Trek gestartet in Paro

Heute sind wir auf den Trek gestartet. Komischerweise hatte ich gestern kaum Probleme mit der Höhe und heute bei einer 17 km Etappe habe ich geschnauft wie ein 80 Jähriger. Aber die Guides sagen es kann noch ein paar Tage gehen bis sich das einstellt. Wir übernachten heute auf 2800 Meter und arbeiten uns langsam zum Basecamp hoch von wo wir den heiligen Berg Jomholari sehen werden. Ob die Höhenangaben immer stimmen kann ich nicht sagen, da hier ja nirgends ein Schild steht nachdem ich meinen Höhenmesser eichen kann. Da das Wetter einigermaßen konstant ist, sollte es aber ungefähr hinkommen. Schau mer mal wie es morgen wird.


25.10.2005 auf dem Trek

Heute war sicherlich nicht mein Tag. Nachdem ich gestern Abend mal wieder Krämpfe hatte und das Ganze mit einem Absacken meines Blutdrucks einhergeht, war heute einfach nichts zu wollen. Wir sind noch aufgestiegen bis 3270 Meter aber dann habe ich bzw. mein Körper gestreikt. Scheinbar habe ich tatsächlich die Höhenkrankheit, obwohl das eindeutigste Symptom, nämlich Kopfschmerzen fehlen. Jetzt habe ich mir für morgen mal einen Ruhetag verordnet. wenn es dann nicht besser wird geht´s halt wieder runter. Da kann man halt trainieren wie man will, manchmal geht einfach nichts mehr. Vorzuwerfen habe ich mir da eigentlich nichts. Sicherlich geht immer noch mehr, aber man kann sich auch fertig machen mit Vorwürfen. Ansonsten ist die Landschaft sehr schön, aber wenn man sonst im A... ist, fehlt einem die Einstellung das zu geniessen. Morgen mehr.


26.10.2005 Ruhetag

Um das Ganze nicht zu sehr ins Medizinische abweichen zu lassen und Erklärungen und Deutungen sicherlich niemanden was bringen: Mir geht´s besser aber nicht gut genug für einen Aufstieg auf 3.900 Meter. Die Symptome der Höhenkrankheit bin ich trotz Diamox nicht ganz losgeworden, daher geht's morgen wieder runter. Das habe ich mir zwar anders vorgestellt, aber gestern wurde ne Frau genau von unserem nächsten Camp runtergeflogen. Also bin ich sicherlich nicht der Einzige. Des einen Leid des anderen Freud. Die ganz Crew (Koch, Küchenjunge, 2 Horsemen und mein Guide) sind scheinbar echt froh nicht über den Pass zu müssen. So hat heute im Camp echt gute Stimmung geherrscht. Das Programm wird halt jetzt geändert und wir machen ein bißchen mehr Kultur von der es in Bhutan ja ausreichend zu sehen gibt. Sollte jetzt wieder jemand schlechte Stimmung in mein Geschriebenes hinein interpretieren: Mir geht´s gut !!! Ich habe bisher immer noch das Beste aus Niederlagen gemacht und werde mich auch diesmal nicht unterkriegen lassen. Der Blick geht bei mir ja glücklicherweise fast immer nach vorne.


27.10.2005 wieder abwärts

Heute war wieder abwärts angesagt und mit jeden 100 Höhenmetern ging's mir besser. Jetzt bei 2800 Metern liege ich im Zelt und fühle mich so gut wie seit langem nicht. Ich hätte nicht gedacht, daß es mich bei knapp über 3000 Metern, schon so erwischen kann, da es mir im Altiplano ja kaum was ausgemacht hat. (liegt zwischen 4000 und 4700 Meter) Dann schau mer mal was ich die nächsten Wochen so tun werde. Möchte euch heute noch mal die Truppe vorstellen mit der ich unterwegs bin.

Leki und Senji sind unsere beiden Horsemen. Sie verpacken die Sachen auf die Packpferde und bringen sie dann zum nächsten Camp entladen und haben dann Feierabend.

Dorji und Senam sind Koch und Küchenjunge. Bauen aber auch Zelte auf und sind Mädchen für alles. Der Küchenjunge Senam ist 14 und seit 3 Jahren auf Droge. (Marihuana wächst hier wild und in guter Qualität) Seine Familie hat ihn mitgeschickt, sozusagen als Therapie. Dorji,unser Koch, ist Karmas Schwager. So bliebt das Geld in der Familie, denn für den muss er sowieso sorgen

Jimba ist meine Führerin und 19. Ist ein guter Guide und auch sonst sehr nett. Sie wird mir auch bis zum Ende meiner Reise erhalten bleiben.Hatte vor 3 -4 Jahren das gleiche Problem wie Senam. Das scheint in Bhutan kein kleines Problem zu sein. Als Therapie schickt man dann die Kids über ein paar Himalaya-Pässe. Auch nicht schlecht.

Alle miteinander kauen sie exzessiv Betelnüsse. Die Nuss wird geviertelt oder halbiert und dann mit einem Blatt Grünzeug und etwas Kalk zerkaut. Ich hab auch schon ein paarmal probiert, aber so richtig schmecken will es mir nicht. Man bekommt einen roten Kopf und es wärmt ein bißchen. Das war´s dann aber auch. Für mich ist das genausowenig eine Droge wie Coca-Tee.


28.10.2005 Thimpu

Nachdem wir heute rausgewandert sind, haben wir neue Pläne gemacht und dann nach Thimpu gefahren. Morgen geht es Richtung Osten. Da ich gerade ein Buch über den Osten Bhutans gelesen habe, ist das sicherlich interessant. Heute abend in der Dämmerung habe ich gedacht ich sehe nicht richtig. Da hat beim Autofahren keiner das Licht eingeschaltet. Erst nachdem es richtig finster wurde. Auf mein Nachfragen wurde mir mitgeteilt, das würde einem als Schwäche ausgelegt, dass man keine guten Augen mehr hat ???!!! Ich werde in Zukunft versuchen bei Tag meine Ziele zu erreichen. DIe spinnen die Bhutaner.

Weiterhin interessant ist das Nationalgericht. Reis und Chilli. 3 mal am Tag. Da sind wir schon eine etwas abwechslungsreichere Küche gewohnt.


29.10.2005 Thimpu-Punakha

Heute morgen Thimphu "downtown" angeschaut. Dauert ca. 1 Stunde, dann ist man ziemlich durch. Dann dafür gesorgt, dass ihr auch was zu lesen bekommt. Vergeblich versucht eine Adapter-Kassette oder einen FM-Transmitter zu bekommen, zum Anschluss meines MP3-Players an ein Autoradio. Wir haben zum Teil sehr lange Autofahrten vor uns. Da muss ich mir dann indische Liebeslieder oder bhutanesische Kriegermusik anhören. Das ist zwar ganz okay aber mit der Zeit etwas ermüdend. Dann war ich halt in einem Musikladen und hab mir die gangbarste 4 Kassetten geholt. Die kann ich dann in zwei Wochen auswendig, aber es war sonst halt nichts da, daß nicht gegen die Genfer Konvention verstoßen hätte. Nach dem Mittagessen haben wir eine Stunde unseren verschollenen Fahrer gesucht (er wartete am falschen Platz). Dann ging´s los. Hoch auf einen Pass bei 3300 Metern. Dort oben waren viele Gebetsfahnen und ein paar kleine Tempel. Dann wieder runter auf 1300 Meter. Selten ein schöneres Tal gesehen. Links und rechts terrassenartig angelegte Felder. Dazu noch perfektes Licht des Nachmittags.Man hätte problemlos ein paar hundert Bilder schießen können. Dann gegen Abend in Punakha angekommen. Hier hat früher ein verrückter Lama gewohnt, der es mit der Religion nicht so genau nahm. Wein, Weib und Gesang soll er jedoch durchaus geschätzt haben. Er soll Bhutan den Takin geschenkt haben: Eine Kuh mit dem Kopf einer Ziege

Manchmal sind auch Buddhas Wege unergründlich.


30.10.2005 Punakha-Gangthe

Heute morgen haben wir den Dzong von Punakha angeschaut und danach sind wir noch kurz zur längsten Brücke von Bhutan gefahren. Ist nicht besonders spektakulär aber so 50-60 Meter werden es schon sein. Dann sind wir mal wieder von 1300 Meter bis zur Passhöhe von 3300 Metern hochgefahren. die Täler sind so abgrundtief, das kann man sich kaum vorstellen. Da könnte einem fast schwindlig werden. Kurz nach der Passhöhe habe ich meine ersten Yaks gesehen. Die Zottelviecher habe ich mir imposanter vorgestellt, trotzdem ist es irgendwie schon interessant, daß die Viecher scheinbar unter 3000 Meter nicht leben können sollen. Wie macht das dann der Messner mit seinen in den Dolomiten?

In Gangthe wird mit viel Aufwand das Kloster renoviert. Soll noch 2 Jahre dauern, aber dann wird es sicherlich wunderschön. Das kann man jetzt schon sehen. Die Klöster und Dzongs haben es mir sowieso angetan. Das kann ich zwar nicht beschreiben, aber irgendwie war das Liebe auf den ersten Blick. Wir übernachten heute bei Jimba´s Tante in einem Farmhaus. Sehr einfach. Aber die Kinder haben für mich getanzt und ich habe Papierflieger gebastelt. Heute habe ich auch zum erstenmal den sagenumworbenen Buttertee getrunken. Man kriegt ihn runter, aber mein Lieblingsgetränk wird es nicht werden.


31.10.2005 Gangthe

Heute war ganz ruhig angesagt. Wir haben nur die Schwarznackenkraniche (Black necked Crane) angeschaut.Von denen gibt es weltweit nur noch einen Bestand von 5000 Stück. Die ziehen von Tibet hierher, um zu überwintern. Bis jetzt sind vier da. Ganz schön übersichtlich, wenn sie in einem Feld ca. 300 Meter von einem entfernt stehen und man sie nach viertelstündigem Suchen mit dem Teleskop findet. Aber für Vogelkundler sicher eine Offenbarung und ich muss zugeben, es sind schöne Vögel. Ansonsten war heute lesen und relaxen angesagt. Morgen geht's nach Trongsa.


1.11.2005 Gangthe-Trongsa

Heute morgen so gegen 9.00 Uhr weggefahren. Mal wieder einen Pass bei 3400 Meter überquert. Wieder ein paar Yaks am Straßenrand gesehen. Dann gab es noch eine Statue nach nepalesischem Vorbild am Rand und dann war der Dzong von Trongsa da. Unglaublich wie sie das Ding an den Hang gebaut haben. Das sieht richtig gigantisch aus. Die esten zwei Könige haben von diesem Dzong aus regiert und auch heute muss der Kronprinz sich immer noch hier als "Bezirkshauptmann" beweisen, bevor er zu höheren Weihen berufen wird. Meine Vorurteile gegenüber Amis musste ich jetzt doch eindeutig aufgeben. Diejenigen, die ich bisher hier getroffen habe, waren ausnahmslos nett. Vielleicht schon ein anderer Schlag als die, die nach Mexiko und Costa Rica reisen. Heute Abend habe ich mich lange mit zwei aus Singapur unterhalten. Der ein Pilot, der andere so was wie freischaffender Künstler. Man trifft zum Teil sehr interessante Leute in Bhutan. .


2.11.2005 Trongsa-Bumthang (Jakar)

Heute mal wieder über einen 3400 Meter hohem Pass gefahren. Diesmal waren aber keine Yaks da. Gegen Mittag in Bumthang angekommen. Dort haben sie gerade die Trümmer eines Brands aufgeräumt. Hat 6 Läden zerstört. Dementsprechend war Chaos heute in der Ortsmitte. Dann habe ich versucht ein paar Mails zu schreiben. Die Startseite bei web.de war in ca. 12 Minuten aufgebaut. Das macht richtig Spaß !!! Heute Mittag dann zwei Tempel besichtigt. Ein Lama soll in einem Tag 108 Tempel gebaut haben. Davon stehen 3 in Bhutan, die anderen 105 in Tibet. Nun ja wer weiß, manche Dinge gehen sicherlich über meine Vorstellungskraft hinaus. Aber es fällt mir schon schwer an so was zu glauben.


3.11.2005 Bumthang-Mongar

Die Fahrt heute war schon spektakulär. Von 2800 Meter hoch auf 3800. Dann runter auf 800. Dann wieder hoch auf 1800 Meter. Bei 3000 Meter haben wir Yaks gesehen. Bei 1500 Meter kam dann eine Affenhorde über den Weg. Das war wirklich schon gegensätzlich. Heute habe ich zum erstenmal ein Zimmer mit Fernseher und habe mir Bayerns Niederlage bei Juve angeschaut. Ansonsten im Osten nichts Nneues.